Text: Karrierewelt: 7.6.2003
Eventmangager haben Marktlücke entdeckt Wer keine Visitenkarte dabei hat, existiert in gewissen Kreisen nicht. Das kleine, distinguierte Stückchen Papier ist die Eintrittskarte in die Welt der Geschäftsanbahnung. Unaufgefordert wird sie einem entgegengestreckt. Höchste Zeit, die seine aus der Brieftasche zu fischen. Ohne einen Stapel dieser Karten traut sich heute niemand mehr aus dem Haus, nicht einmal in privater Mission. Wirkt schließlich unsouverän, Name, Beruf und Telefonnummer auf einen Bierdeckel oder eine Serviette zu kritzeln. Karten sind Kontakte, egal wo sie geschlossen werden, und Karten sind Kapital. Weiß der "Young Professional" doch nie, ob er sie eines Tages vielleicht doch aus der Schreibtischschublade kramen wird. Gerade in Zeiten allgemeiner Verunsicherung auf dem Arbeitsmarkt können sie zum jobrettenden Strohhalm werden.
Da wundert es nicht, dass findige Eventmanager um das Ritual des Kartentausches neuerdings Partys kreieren und von einer neuen "Plattform des Networkings" sprechen.
Die nächste "Visitenkartenparty" findet am 10. Juni in Berlin statt. Das Hotel Intercontinental als Garant einer "lockeren und ungezwungenen Atmosphäre für das Knüpfen von Geschäftskontakten", so die Veranstalter, Yvonne Laage und Arndt Aschenbeck. Doch nicht genug: "Tauschspiele" gibt es als "Sahnehäubchen". Und das geht so: Alle rennen schnell im Raum herum, bis einer "Stopp!" ruft und der Nachbar eine Visitenkarte bekommt. Dieses Spiel habe den Teilnehmern auf den vergangenen Partys eine Menge Spaß bereitet, sagt Aschenbeck. Wenngleich "Party" missverständlich sei: Auf Musikbeschallung werde bewusst verzichtet. Und wer Pech im Spiel hat, der kann sein Glück bei einer Verlosung versuchen. Umzugskartons, ein Wochenende in Hamburg oder eine einstündige Rechtsberatung gibt es zu gewinnen. Und um die "Kommunikation" der angemeldeten Gäste zu erleichtern, werden Persönlichkeitsprofile an Pinnwände gehängt. So kann sich jeder überlegen, ob sich ein Gespräch mit einem Unbekannten wirklich lohnt. Zeit ist Geld, auch auf einer Party, die zwölf Euro Eintritt kostet. Ähnlich wie auf einer Single-Partys werden die Kontaktfreudigen gebeten, sich nicht nur dazu zu äußern, was sie (beruflich) machen, sondern auch Philosophisches zu Papier zu bringen. "Meine Vision - wo will ich hin?" Dazu sollte einem schon etwas Intelligentes einfallen. Gegen 22.30 Uhr nach Hause, dann endet nämlich die Party.
Die Veranstaltung im Internet: www.visitenkartenparty.biz
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