Text: Hamburger Abendblatt, erschienen am 6. April 2004 in Hamburg
Trend: Auf Visitenkarten-Partys geht es vor allem um Netzwerke für Jung-Unternehmer.
Von Barbara Hardinghaus
Viele Sakkos in Bewegung. Viele Hände, die sich schütteln. Blank geputzte Schuhe, die sich geordnet über den Teppichboden im Ballsaal 1 schieben. Zu hören ist nur Gemurmel. Keine Musik. Kein Wort übers Wetter oder über Kultur. Da fallen Wörter wie Potenzial, Kooperation, Business. "Man will hier ins Geschäft kommen", sagt Ivonne Westphal (29), Existenzgründerin im Bereich Buchführung aus Altona. Deshalb seien ja schließlich alle gekommen. Visitenkarten-Party im Hotel InterContinental, Rotherbaum. Vor der Tür traben Jogger ganz entspannt durch die Abendsonne die Alster entlang. "Es geht viel über das Empfehlungsgeschäft", sagt Ivonne Westphal weiter. Sie ist das zweite Mal auf der Party. Bei ihrer Premiere sprangen für die gelernte Buchhalterin und Steuerfachgehilfin gleich zwei Aufträge heraus. So soll es sein. Deals nach dem Motto: "Sie gestalten mein Büro, ich mache Ihre Abrechnungen." Und notwendig sind dazu eben Kontakte. Die knüpfen sie über die Visitenkarten. Sinn der Sache ist also, möglichst viele dieser Pappen zu sammeln. An diesem Abend gibt es dazu 105 Möglichkeiten. So viele Gäste sind es, die aus verschiedenen Branchen zur Party gekommen sind. Wellness zum Beispiel, Medizin, Architektur, EDV, Beratung oder Recht. Der Eintritt: 18 Euro.
Und wer das Geld bezahlt hat, durfte sich vorab die Liste aller Teilnehmer im Internet ansehen, um sich am Abend gezielt vorarbeiten zu könen. Christoph Horbach (34), Anwalt, auf Schifffahrt spezialisiert, trägt einen Zettel in der Tasche seiner grauen Anzughose, auf dem er die Namen von drei möglichen Kontakten notiert hat. "Ein Spediteur mit der Nummer zwölf, ein Einkäufer der Bundesmarine und jemand von einem Emissionshaus mit der Nummer 86." Also macht sich Horbach auf die Suche. Die Namensschilder sind farbig nach Branchen gekennzeichnet. Das soll helfen. Auch sonst wirkt die Veranstaltung organisiert. Dahinter steht Initiatorin und Veranstalterin Yvonne Laage (27). Sie ist Energiebündel und Mehrfachunternehmerin mit drei Projekten, wohnhaft in Eppendorf. Sie habe "dieses ganze Drumherumreden" immer genervt. Also begann sie im Dezember 2002 mit der ersten Visitenkarten-Party in Hamburg. Mittlerweile sind es 30, in zwölf Städten. "Man kann schon sagen, dass Bayern leichter zu motivieren sind als Berliner oder Hamburger", sagt sie. Das Programm sei aber trotzdem überall das gleiche. Eines der Kommunikationsspiele heißt "Die Reise nach Visitenkartenland". Und tatsächlich. Es wirkt. Unter das sonore Gemurmel an den Bistrotischen und Stellwänden, über die jeder sein Profil aushängt, mischt sich Gelächter. Hier und da erklingen Rotweingläser. Und so vergeht er, der Abend im Ballsaal. Und wieder verabschiedet sich Ivonne Westphal mit zwei neuen Aufträgen.
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